Nijinski

Fr 29. März 2019 19:30 - Opernhaus Zürich

Ballett von Marco Goecke

Nur zehn ruhmreiche Jahre waren Vaslav Nijinski an der Spitze von Sergej Diaghilews legendären «Ballets Russes» vergönnt. Als Faun und Goldener Sklave berauschte er das Publikum mit virtuosen Sprüngen und androgynem Charisma. Seine gewagten Choreografien provozierten Skandale. Er liebte einen Mann und heiratete eine Frau. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stürzte der Tänzer ab. Ehe er 1950 in London starb, verdämmerte er dreissig Jahre geisteskrank in Sanatorien. Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie, zweifelhafte Diagnosen und Therapieexperimente trieben seine Seele ins Unerreichbare.

Marco Goecke hat dem Jahrhunderttänzer und -choreografen ein abendfüllendes Ballett gewidmet. Entstanden ist dabei eine faszinierende Fusion aus Goeckes unverwechselbarer, zittrig-nervöser bis rasender Körpersprache und einer Erinnerung an den Künstler Nijinski, die auch choreografische Elemente aus dessen Tänzerkarriere zulässt. Die Choreografie nimmt den Menschen Nijinski und sein Wesen in den Blick, überführt Emotionen in hochästhetische Bewegungen. Obwohl Marco Goecke den Ausnahmekünstler durch die Etappen seines Lebens begleitet, geht das Stück weit über eine rein biografische Beschäftigung hinaus und zielt auf grundlegende Fragen. Im Mittelpunkt steht der Zauber und der Wert der Kunst – aber auch der Preis, den sie allen Kreativen unnachgiebig abverlangt.

Nach seinen Stücken Deer Vision und Petruschka ist Marco Goecke erneut beim Ballett Zürich zu Gast und erarbeitet für die Zürcher Tänzerinnen und Tänzer eine erweiterte Neufassung seines Nijinski-Balletts, das 2016 bei «Gauthier Dance» am Theaterhaus Stuttgart seine umjubelte Uraufführung erlebte.

Neben Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune bilden die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin, gespielt vom Schweizer Pianisten Adrian Oetiker, das musikalische Gerüst dieses bewegenden Abends. Pavel Baleff leitet die Philharmonia Zürich.

(Text von Opernhaus Zürich)


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