Das Anschwellen der Bockgesänge

Mi 12. Dezember 2018 20:00 - Theater Neumarkt

Performance, Populismus, Propaganda

Blutopfer, Reinigungsritual, Ausländer raus, das klingt erstmal nicht nach klassischer Kunst, nach griechischer Tragödie: Doch bei den grossen Dionysien im klassischen Athen ging es blutig und exklusiv zu: Ein Bocksopfer eröffnete den Theaterwettstreit und nicht-athenische Bürger waren von dem Spektakel ausgeschlossen. Tragödie heisst ganz archaisch «Gesang anlässlich eines Bocksopfers». Der Autor Botho Strauss hat sich vor 25 Jahren mit humanistischer Gelehrigkeit in diese Tradition gestellt und seine apokalyptische Sicht auf die Gesellschaft «Anschwellender Bocksgesang» betitelt. Was damals ein Outing eines elitären rechten Künstlers und Intellektuellen war, ist heute in ganz Europa anschlussfähig geworden: Sie schwellen an, die Bocksgesänge: in Form von Parteien, Manifesten und sogenannten «Bewegungen», die neue «Tatkraft» versprechen. Demokratien verwandeln sich vor unseren Augen in totalitäre Staaten.
Mit Texten von Marine Le Pen, Stephen Bannon, Sahra Wagenknecht, Emmanuel Macron, Nigel Farage und Viktor Orbán geht das Ensemble der Normalisierung nationalistischer Argumentationen auf den Grund. Zu erleben sind erfolgreiche Schauspiele und unheimliche Wandlungen, lustige und düstere Momente des intellektuellen und persönlichen Verfalls. Denn mit Zauberkraft von Texten und Sprache kennen wir uns am Theater bestens aus. So lässt sich auch die Faszination für die politischen Mythen geistiger Brandstifter, Rechtsradikaler, ehemaliger Linker, selbsternannter Querdenker und ehemals gemässigter Bürger zwischen Lyrik, salbungsvoller Prosa und utopischen Pamphleten nacherleben.

 

Mit Anna Jikhareva, Auslandsredaktorin bei der WOZ mit Schwerpunkt Migration und Rechtspopulismus.


Weitere Informationen gibt hier auf der Website des Veranstallters